Anwältin im Bereich Restrukturierung und Insolvenz Frankfurt

Dr. Andrea Braun ist seit März 2017 als Anwältin bei Noerr und berät am Frankfurter Standort im Bereich Restrukturierung & Insolvenz. Im Interview berichtet sie über ihre Arbeit und über ihren Weg zu Noerr.

Frau Braun, derzeit sucht Ihre Praxisgruppe vor allem für das Frankfurter, Hamburger und Münchner Büro Verstärkung. Was wird diese Stelle bieten, so dass man auf gar keinen Fall verpassen sollte, in ein Gespräch mit Ihnen zu treten?

Ich glaube was unsere Kanzlei besonders macht, ist die Tatsache, dass wir uns als Team verstehen, das fachbereichs- und standortübergreifend vertrauensvoll zusammenarbeitet und zusammen Spaß hat. Tägliche Abwechslung, Arbeiten auf hohem Niveau oder Internationalität – das bieten wahrscheinlich auch andere Großkanzleien. Aber bei uns gehört Lachen zum Büroalltag und gern lassen wir diesen auch gemeinsam bei einem internen Glühwein-Freitag-Abend oder get-together auf der Dachterrasse ausklingen.

R&I – Was machen Sie mit Ihrem Team da eigentlich genau?

Gerät ein Unternehmen in Schieflage, ist die gebündelte Expertise zahlreicher Rechtsdisziplinen gefragt: Handlungsoptionen müssen in der Gesamtschau ihrer Auswirkungen bewertet werden. Das Insolvenzrecht legt sich quasi wie eine zusätzliche Schicht über die bestehenden Rechtsgebiete und modifiziert sie. Das macht es aus meiner Sicht so spannend. Noerr als Sozietät berät alle Beteiligten, die mit dem Unternehmen in der Krise in Berührung kommen: Gesellschafter, Geschäftsführer, Investoren, Insolvenzverwalter, Gläubiger oder Lieferanten. Die Beratung kann dabei vor oder während eines bereits laufenden Insolvenzverfahrens erfolgen. Die Expertise, die wir dafür brauchen, ist in der Praxisgruppe Restrukturierung & Insolvenz (R&I) zusammengefasst. Ich bin Teil des Kernteams der Praxisgruppe. Unser Team besteht aus insgesamt 15 Mitgliedern verteilt auf alle deutschen Standorte, die sich auf R&I spezialisiert haben. Daneben gibt es auch Mitglieder in unserer Praxisgruppe, die auch eine andere Anbindung haben, aber eben einen Fokus auf alle insolvenznahen Gebiete ihres anderen Rechtsgebietes. So haben wir beispielsweise Kolleginnen und Kollegen, die hauptsächlich Finanzierungen oder Arbeitsrecht machen aber dort immer dann eingebunden werden, wenn es um Finanzierungen in der Krise oder die Gestaltung von Arbeitsplätzen im Insolvenzverfahren geht.

An was für Mandaten arbeiten Sie zur Zeit?

Gemeinsam mit einem größeren Team beraten wir aktuell die Condor in deren Schutzschirm- und Hauptverfahren. Da es sich um ein sehr großes Mandat handelt, nahm das im letzten Jahr viel Zeit ein. Wir konnten für unseren Mandanten erfolgreich zwei Finanzierungen durch die KfW verhandeln, die Insolvenzpläne erstellen und aktuell bereiten wir die Verfahrensaufhebung vor. Nach so langer Zeit zusammen im Mandat und den vielen Herausforderungen, die wir gemeinsam gemeistert haben, ist es ein tolles Gefühl, wenn das Verfahren dann aufgehoben werden kann und das Unternehmen wieder erfolgreich am Markt tätig ist.JUVE Awards 2020 Law Firm of the Year Insolvency and Restructuring Logo

Im Moment betreue ich gemeinsam mit dem zuständigen Partner außerdem einen Lieferanten, dessen Kunde nun Insolvenzantrag gestellt hat. Eine Weiterlieferung wie bisher mit längeren Zahlungszielen ohne Sicherheiten ist in einer solchen Situation natürlich nicht mehr darstellbar, sodass die Lieferbeziehung neu gestaltet werden muss. Außerdem beschäftige ich mich gerade mit der Frage, welche Folge die Insolvenz eines Darlehensnehmers für den darlehensgebenden Gesellschafter hätte. Ich werde daneben aber auch von meinen Kollegen und Kolleginnen angesprochen, deren Mandate nun Expertise im Bereich R&I erfordern. Das reicht von einer kurzen Auskunft bis hin zu einer längeren Einbindung in das Mandat. Das alles schließt nicht aus, dass ich nicht auch mal in Mandate eingebunden werde, die weniger Bezug zu Sanierung oder Insolvenz haben. Was in der Folgewoche auf meinem Schreibtisch liegt, weiß ich in den wenigsten Fällen. Die Auslastung ist daher manchmal weniger vorhersehbar, aber die Abwechslung steigt dadurch und die Arbeit wird spannender.

Haben Sie regelmäßig Mandantenkontakt?

Ja, täglich. Ich wurde von Beginn an stark in den Mandantenkontakt eingebunden. Am Anfang war ich manchmal auch nur bei Emails auf cc, dann habe ich in Absprache mit dem zuständigen Partner selbst die E-Mails rausgeschickt und mittlerweile habe ich auch eigene Mandate. Das führt natürlich dazu, dass ich bei Rückfragen auch direkt selbst angesprochen oder angerufen werde. Die Selbstständigkeit wächst natürlich mit der Zeit, sodass man in die neuen Aufgaben gut reinwächst. Denn es kommt schon vor, dass der Puls steigt, wenn der Mandant am Telefon ist und direkt Antworten auf seine Fragen möchte. Mit der Zeit hat man dann ein bisschen Routine und der Puls sinkt nach einem solchen Anruf schneller wieder. Kritische Telefonate oder Emails stimmen wir ohnehin im Team ab.

Haben Sie oft mehrere Mandate gleichzeitig oder dominiert eines?

Ständig mehrere. Da muss man schon mal Multi-Tasking betreiben können.

Was mögen Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

Das aus meiner Sicht spannendste Element des Insolvenzrechts bzw. Sanierungsrechts ist die interdisziplinäre Komponente. Es ist eben selten reines Insolvenzrecht, das angewendet werden muss, sondern ein lebender Organismus gerät in die Schieflage und nun muss für alle „normalen“ Rechtsbeziehungen das Insolvenzrecht zusätzlich beachtet werden. Klar, daher war das Wasser am Anfang auch sehr kalt, aber diese Komplexität hat auch große Vorteile. Ich arbeite mit einer Vielzahl unterschiedlicher Personen unserer Kanzlei zusammen und nicht nur mit dem eigentlich für mich zuständigen Partner und ich lerne viel – auch wirtschaftliche Zusammenhänge. Um den Mandanten auf dem höchsten Niveau beraten zu können, muss man auch wissen, wie sein Geschäft funktioniert und wie es in einer Krisensituation beeinflusst werden würde. Ich muss gemeinsam mit meinem Team antizipieren, wo der Schuh dann am stärksten drücken würde, um zu reagieren und idealerweise auch Vorkehrungen treffen zu können. Das macht es so spannend und vor allem auch vielseitig.

Arbeiten Sie auch international?

Ein Insolvenzverfahren in Deutschland wird immer nach deutschem Recht durchgeführt. Mit wenigen Ausnahmen wenden wir in klassischen Insolvenzen daher nur deutsches Recht an. Das bedeutet aber nicht, dass ich wenig international arbeite – im Gegenteil: 50% meiner Tätigkeit ist auf Englisch. Ein internationaler Hedge Fonds benötigt Beratung zu einem Investment, das in der Krise steckt, ausländische Gläubiger wollen ihre Forderungen gegen einen deutschen Schuldner durchsetzen oder der Lieferant eines deutschen insolventen Unternehmens sitzt im Ausland. Da müssen wir nicht nur auf Englisch kommunizieren, sondern auch unsere Rechtsordnung insgesamt erklären, die vor allem im Vergleich zu angelsächsisch geprägten Rechtsordnungen sehr unterschiedlich ist.

Welchen zeitlichen Taktungen sind Sie üblicherweise ausgesetzt?

6 Minuten – in dieser Taktung „billen“ wir. Das lässt sich natürlich nicht immer so genau feststellen und das erwartet auch niemand, dass man mit der Stoppuhr am Schreibtisch sitzt. Man lernt mit der Zeit, den Arbeitsaufwand gut zu schätzen, den man für ein Mandat verwendet hat und häufig beschäftigt man sich ja auch zeitlich länger mit einer Sache am Stück. So empfehlen es jedenfalls immer die Produktivitäts-Theorien im Netz ;-)
Der Tagesrhythmus ist ziemlich unterschiedlich. Meine Nachtschichten hielten sich in meiner Zeit als Anwältin in Grenzen und meine Wochenenden sind eigentlich immer frei. Klar kann man nicht immer sicher vorhersagen, zu welcher Uhrzeit man abends die dringend anstehenden Aufgaben erledigt hat und das Licht ausknipsen kann. Aber gleichzeitig genießt man in unserem Beruf auch große Freiräume: eine längere Mittagspause, weil die Sonne heute so schön scheint oder ein Arzttermin um 16 Uhr? Wenn nicht gerade während dieser Zeit ein Meeting angesetzt ist, ist das kein Problem, dann macht man vielleicht abends oder am nächsten Tag etwas länger, wenn es sein muss. Home Office war bei uns auch vor Corona schon möglich. Hier gleichen sich aus meiner Sicht die Vor- und Nachteile aus.

Seit wann wussten Sie, dass es Restrukturierung & Insolvenz –sein soll und warum überhaupt?

Dass mein Herz für Insolvenzrecht schlägt, wusste ich seit der Vorlesung im Schwerpunktbereich an der Uni. Was genau ich damit mal machen möchte, dauerte dann natürlich noch ein bisschen. Aber die Wahl des Rechtsgebiets habe ich bisher nicht bereut.

Warum sind Sie damals bei Noerr gelandet? Warum noch immer hier?

Mein Start bei Noerr war weit vor März 2017, nämlich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin Oktober 2014. Ich habe schon während meiner Doktorarbeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Großkanzlei gearbeitet und wollte das auch während des Referendariats. Es machte mir einerseits großen Spaß, nicht nur vor den Büchern zu sitzen, sondern tatsächlich in der Praxis zu arbeiten. Aber natürlich war auch der finanzielle Aspekt wichtig: Meine Referendarsvergütung deckte schlicht nicht meine monatlichen Kosten. Warum gerade Noerr? Ich sah die Tätigkeit dort während des Referendariats als risikolose Möglichkeit an, das Team und den Standort unter die Lupe zu nehmen und noch eine weitere Großkanzlei kennenzulernen. Ich wollte sehen, ob es mir dort besser gefiel als in der anderen Kanzlei. Die Auswahl auf Noerr war letztlich schon damals eine Bauchentscheidung. Auf dem Papier hat alles gepasst und ich habe mich im Vorstellungsgespräch von Anfang an mit meinem jetzigen Partner gut verstanden. Ich habe dann schnell gemerkt, dass ich mit dieser Bauchentscheidung damals richtig lag. Daher bin ich noch hier – nun als Anwältin.

Wenn Sie es damals gewusst hätten, was Sie heute wissen: was hätten Sie anders gemacht?

Insgesamt bin ich ziemlich zufrieden mit meinen bisherigen Entscheidungen zu meiner beruflichen Laufbahn. Ich glaube ich hätte in der Examenszeit öfters mal ausschlafen und frei machen sollen. Das ist natürlich hinterher einfacher gesagt als getan, vor allem wenn am Ende alles gut gegangen ist und nach Plan lief. Der Examens-Tunnel war doch manchmal ziemlich lang und dunkel und ein bisschen Entspannung hätte dem gut getan. Mit der zunehmenden Erfahrung nimmt auch die Gelassenheit zu. Das hätte ich gerne früher gehabt.

Wenn Sie kein Rechtsanwalt geworden wären, was hätte Ihnen noch gefallen?

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, Konditorin zu sein oder ein eigenes Café zu führen. Ich backe für mein Leben gern (und esse die Resultate umso lieber ;-)), richte gerne an und bediene Menschen. Ich mag es, dass man die Resultate seiner Arbeit sofort sieht und kreativ gestalten kann. Ich probiere gerne neue Rezepte aus und überlege mir, was ich am Wochenende kochen oder backen kann. Da kam mir die Corona-Homeoffice-Zeit beispielsweise sehr zugute, da man, vor allem im Lockdown, nicht mehr essen gehen konnte, was wir sonst normalerweise viel gemacht haben.

Worüber konnten Sie sich zuletzt richtig freuen?

Wir haben für die Weihnachtsfeier des Frankfurter Standorts einen Film gedreht. Da steckte richtig viel Arbeit drin und bis zuletzt weiß man natürlich nicht, ob das gut ankommt. Als sich dann alle sehr darüber gefreut haben und der Saal an der ein oder anderen Stelle richtig lachte, haben wir uns richtig gefreut und ich war ziemlich erleichtert.

Vielen Dank für das Gespräch!