Corporate in Teilzeit – Fiktion oder Realität?

 

Kenny Koa ist seit 2016 als Anwalt bei Noerr tätig und berät am Berliner Standort als Senior Associate im Bereich Restrukturierung & Insolvenz. Hier berichtet er über seine Erfahrung mit Teilzeit bei Noerr:

Großkanzlei und Teilzeit – zwei Begriffe, die einem nicht selbstverständlich zusammen über die Lippen gehen. Doch die Ansprüche von Berufseinsteigern wandeln sich, und die Kanzleien wandeln sich mit ihnen.

Mein Weg bei Noerr begann 2016. Ich kam frisch aus dem Referendariat und hatte zweierlei im Sinn: Ich wollte promovieren und gleichzeitig Berufserfahrung als Anwalt sammeln. Aber war das überhaupt realistisch? Schnell stieß ich bei der Suche nach einer passenden Kanzlei auf Noerr. Schon im Bewerbungsgespräch wurde mir signalisiert, ein Einstieg in Teilzeit sei ohne weiteres möglich. Auch wenn ich mir zunächst unsicher war, ob es sich dabei um eine realistische Perspektive oder nur wohlklingende Versprechungen handelte, sagte ich zu. Ich startete mit einer 60 %-Stelle: 3 Tage die Woche in der Kanzlei, die übrige Zeit in der Bibliothek. Zu meiner Überraschung wurden die arbeitsfreien Tage tatsächlich von allen Kollegen respektiert, sodass ich mich währenddessen voll auf meine Dissertation konzentrieren konnte.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass die Dissertation längere Phasen der Aufmerksamkeit einforderte. Ich habe also das Gespräch mit der Kanzlei gesucht und vorgeschlagen, auf ein Blockmodell umzustellen. Auch dies wurde ohne Umschweife zugesagt. Fortan arbeitete ich im Wechsel sechs Wochen in Vollzeit, um mich dann für vier Wochen ausschließlich der Promotion widmen zu können. Und wieder: Es funktionierte wirklich. Für die Kanzlei bedeutete es freilich Mehraufwand, die laufende Mandatsarbeit so zu strukturieren, dass ich in verantwortungsvoller Position eingebunden war, die Arbeit an der Dissertation in den entsprechenden Phasen aber gleichwohl nicht beeinträchtigt wurde. Dieser Mehraufwand aber wurde im Team bereitwillig und effektiv aufgefangen.

Wenige Zeit später wurde mein Leben abermals auf den Kopf gestellt: Meine Frau und ich erwarteten unser erstes Kind. Und wieder die Frage: Kann daneben die Tätigkeit in einer Großkanzlei funktionieren? Kann ich spannende Mandate begleiten, anspruchsvolle Aufgaben wahrnehmen und zugleich meiner Vaterrolle gerecht werden? Mit diesen Gedanken im Kopf habe ich erneut eine Änderung meiner Arbeitszeiten vorgeschlagen, und auch diesmal wurde meinen Wünschen entsprochen. Meine Arbeits- und Dissertationsblöcke wurden verlängert, zudem habe ich für ein halbes Jahr Elternzeit genommen. In dieser Zeit konnte ich für meine Tochter da sein und der Dissertation den letzten Feinschliff geben.

Mittlerweile arbeite ich – zum ersten Mal – in Vollzeit. Ob es dabei bleibt? Beruf und Familie sinnvoll zu vereinbaren und dabei jedem der beiden Bereiche einen angemessenen Raum zu verschaffen, bleibt eine Herausforderung, für die es keine definitive Lösung geben kann. Mit Noerr weiß ich aber einen Arbeitgeber an meiner Seite, für den flexible Arbeitsmodelle nicht bloß Lippenbekenntnisse sind, der auf die Wünsche seiner Arbeitnehmer eingeht und im ständigen Dialog gemeinsame Lösungen ermöglicht.